Ausgabe Dezember 2001

Abgesang auf Rot-Grün

Man kann nur froh darüber sein, dass es die Grünen, also die Partei Bündnis 90/ Die GRÜNEN, die vor mehr als zwanzig Jahren als “sonstige politische Vereinigung” im Widerstand gegen die SPD Helmut Schmidts auf den Plan getreten sind, gegeben hat. In der Latenzzeit jener sechzehn Jahre, da die Kanzlerschaft Helmut Kohl sich wie Meltau auf das Land gelegt hatte und von diesem Kanzler kaum mehr als die ihm in den Schoss gefallene deutsche Vereinigung und die Einführung des EURO im historischen Gedächtnis bleiben wird, konnte eine politische Kraft heranreifen, die wesentliche Motive der Kulturrevolution der 68er mit dem Engagement der zehn Jahre später geborenen Aktivisten in Frauen-, Friedens- und Ökologiebewegung verbunden hat. Vor allem zu der Zeit, also sie noch in der Opposition und radikal waren, gelang es den Grünen, dem politischen System ein Thema auf die Agenda zu setzen, das dessen Vertreter aufgrund ihres eingefahrenen Politikverständnisses nicht präsentieren konnten, obwohl doch die ökologische Problematik zuerst von (Wert)konservativen ernst genommen und politisch transformiert wurde.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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