Ausgabe Dezember 2001

Die Vertrauenskeule

„Deutsche Soldaten haben in Afghanistan nichts verloren.“ Wer hätte den Satz der PDS-Parteichefin Gabi Zimmer vor drei Monaten nicht für völlig selbstverständlich gehalten. Doch dann kostete diese Aussage, nach Kanzlers Machtwort, die Beteiligung am Berliner Senat. Nichts könnte deutlicher zeigen, wie der 11. September das deutsche Parteiensystem durcheinander gebracht hat. In einer der letzten Bundestagsdebatten plädierte der Kanzler noch dafür, aus der Frage der Haltung zum Krieg keine Glaubensfrage zu machen und dem politischen Gegner nicht die moralische Integrität abzusprechen. Hätte er dieses Toleranzedikt nur durchgehalten!

Domino der Kriegsgegner

Denn keinen Monat später musste Schröder sich auch gegenüber den Kriegsgegnern in den eigenen Reihen behaupten. Seit dem 16. November ist die Zeit der bloßen Machtworte vorbei, kommt das finale Erpressungsinstrumentarium zur Anwendung, die Vertrauens-, genauer: die Machtfrage. Damit ist die Endphase für Rot-Grün wohl endgültig eingeläutet.

Erstaunlich, dass das politische Berlin sich von der Entscheidung des Kanzlers so überrascht zeigte, stand doch eigentlich eine höchst banale Rechnung dahinter. Denn rein machtstrategisch war klar: Schröder selbst konnte – bei jedem möglichen Ausgang – nur gewinnen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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