Ausgabe Februar 2001

Die Revolution des Hugo Chávez

Beim Anflug auf Caracas, wo uns ein Erdöl-Seminar erwartete, sinnierten wir über das sperrige Kernthema der Beziehung USA-Lateinamerika: Ein Land der südlichen Hemisphäre nimmt Washington nur im Fall einer Krise wahr. Was eine Krise ausmacht, definierten State Department und Pentagon. Nicht was objektiv in einem lateinamerikanischen Land vorgeht, sondern was die Perzeption aus Washington ausmacht, entscheidet. Derzeit liefert Venezuela den Testfall dafür. Der südamerikanische Erdölstaat wird heute vom formaldemokratisch gewählten Fallschirmjäger-Oberst Hugo Chávez regiert. Auf den unkonventionellen Staatschef schossen sich in den vergangenen Monaten die Leitartikler der führenden US-Gazetten ein. "Is Chávez picking a fight?", fragte der Miami Herald, während die Washington Post gleich auf "A Venezuelan Castro" titelte.

Tad Szulc, Autor einer gründlichen Biographie über Fidel Castro, legte die Latte, sobald der Sieg von George W. Bush schließlich doch feststand, in der International Herald Tribune endgültig hoch: "Castro, Saddam and Chávez pose challenge to Bush". Auf Venezuela dürften also, im Sinne des chinesischen Fluches, interessante Zeiten warten. Entsprechend heftig blitzt es aus Caracas zurück.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / Xinhua

Argentinien: Die Rückkehr des Peronismus

von Tobias Boos

Die Schlacht schien geschlagen, noch bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hatte. Schon bei der Vorwahl im August hatte Alberto Fernández seinen Konkurrenten, den damals amtierenden Präsidenten Mauricio Macri, mit 15 Prozentpunkten Vorsprung weit hinter sich gelassen.

Demonstrierende in Bolivien

Bild: imago images / Fotoarena

Bolivien: Morales als Märtyrer?

von Thomas Guthmann

 „Wie schade“, schrieb Rafael Puente in einem Kommentar kurz nach der Wahl am 20. Oktober an den soeben wiedergewählten bolivianischen Präsidenten Evo Morales, „ich war Zeuge deines schnellen Aufstiegs, zuerst als Gewerkschaftsführer der Koka-Bauern, dann als Präsident, als entschiedener und intelligenter Befürworter des Prozesses des Wandels.