Ausgabe Februar 2001

Glosse: Wahnsinn im Bundescontainer

Die Seuche geht um im Hause Schröder! Sieben Minister hat sie bereits dahingerafft. So sehr sich hinter jedem Fall eine ganz persönliche Tragik verbirgt – hier soll nur vom letzten und tragischsten Fall die Rede sein. Wahnsinn Nummer 7. Vieles haben wir ja in den letzten beiden Jahren verloren. Doch mit Karl-Heinz Funke ist nicht nur der deutsche Mutterwitz persönlich von uns gegangen – Hast Du Oldenburger Butter, kommst Du immer auf die Mutter, reimte der Helge Schneider der deutschen Politik –, nein, auch der Inbegriff des Stallgeruchs, der Duft von Gülle und Misthaufen, ist auf ewig aus der deutschen politischen Landschaft verschwunden. Vorbei die gute alte Zeit, die uns von Ertl über Borchert bis zu Funke ein ums andere Mal gestandene Landsmannsbilder im Agrarministerium bescherte.

Doch was schert uns das? Wer wüsste schließlich noch frische Landluft zu schätzen? Und zum Glück sind wir für diesen Verlust ja alle gebührend entschädigt worden. Mit unserem eigenen Verbraucherministerium haben wir eine ganz neue Klagemauer in der so gepflegten politischen Landschaft. Ich sehe sie bereits vor meinem geistigen Auge, die neuen Verbraucheraufstände. Otto Normal und Lieschen Müller gehen endlich auf die Barrikaden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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