Ausgabe Februar 2001

Glosse: Wahnsinn im Bundescontainer

Die Seuche geht um im Hause Schröder! Sieben Minister hat sie bereits dahingerafft. So sehr sich hinter jedem Fall eine ganz persönliche Tragik verbirgt – hier soll nur vom letzten und tragischsten Fall die Rede sein. Wahnsinn Nummer 7. Vieles haben wir ja in den letzten beiden Jahren verloren. Doch mit Karl-Heinz Funke ist nicht nur der deutsche Mutterwitz persönlich von uns gegangen – Hast Du Oldenburger Butter, kommst Du immer auf die Mutter, reimte der Helge Schneider der deutschen Politik –, nein, auch der Inbegriff des Stallgeruchs, der Duft von Gülle und Misthaufen, ist auf ewig aus der deutschen politischen Landschaft verschwunden. Vorbei die gute alte Zeit, die uns von Ertl über Borchert bis zu Funke ein ums andere Mal gestandene Landsmannsbilder im Agrarministerium bescherte.

Doch was schert uns das? Wer wüsste schließlich noch frische Landluft zu schätzen? Und zum Glück sind wir für diesen Verlust ja alle gebührend entschädigt worden. Mit unserem eigenen Verbraucherministerium haben wir eine ganz neue Klagemauer in der so gepflegten politischen Landschaft. Ich sehe sie bereits vor meinem geistigen Auge, die neuen Verbraucheraufstände. Otto Normal und Lieschen Müller gehen endlich auf die Barrikaden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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