Ausgabe Januar 2001

NATO passé?

Londons Boulevardpresse und die europafeindlichen Konservativen lassen am Projekt einer neuen Armee im Dienste eines europäischen "Superstaates" kein gutes Haar. Diese würde die NATO zerstören und zur Abkehr der USA vom alten Kontinent führen. Dabei ist gerade Großbritannien mitverantwortlich für diese "Armee", hat es doch unzweideutig auf die Schaffung einer multinationalen Streitmacht hingearbeitet, die sich der NATO nicht unterordnet. Nun haben 13 europäische Länder sich verpflichtet, bis zu 200 000 Soldaten, 350 Flugzeuge und 100 Marineeinheiten bereitzustellen.

Es wird sich aber nicht um stehende Streitkräfte handeln. Auf Befehl der Europäischen Union könnte ein ständiger Stab von 100 Offizieren in Brüssel innerhalb von 60 Tagen eine dem Einsatzzweck angemessene Streitmacht von bis zu 60 000 Soldaten mit Luft- und Seeunterstützung bereitstellen. Sie würde zusammengestellt aus für diesen Zweck reservierten Einheiten, die zusammen ausgebildet wurden und erfahren im gemeinsamen Einsatz sind. Die geplante Truppe soll mit der NATO zusammenarbeiten und Zugriff auf bestimmte Ressourcen der Allianz erhalten. Die Gesamtzahl der verfügbaren Einheiten würde es gestatten, per Rotation ständig bis zu 60 000 Männer und Frauen im Einsatz zu halten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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