Ausgabe Juli 2001

Ich erklär dir, was Pubertät ist.

Fernseh-Serien haben den Ruf, seicht, klischeehaft und in der Regel von einem konservativen Weltbild geprägt zu sein. Die Frage ist, ob dies für das Format insgesamt zutrifft: Sind Serien als solche notwendigerweise im besten Fall harmlose Unterhaltung, in der Regel aber wesentliche Mit-Urheber jenes "Verdummungseffekts", den manche dem Fernsehen insgesamt zuschreiben? "Aufklärerische", dem Bildungsideal des öffentlich-rechtlichen Mediensystems verpflichtete Serien bezahlen solche Abweichungen oft mit Langeweile und Lehrhaftigkeit. Es scheint auch anders zu gehen, und selbst im Rahmen des jetzt boomenden Genres der "Doku-Soap", für die Big Brother das abschreckendste Beispiel ist, gibt es offenbar alternative Gestaltungsmöglichkeiten.

"Von Jungs, Kaninchen und dem Rest der Welt", so der Untertitel der sechsteiligen Serie. Die Schiller-Gang, die der WDR in diesen Wochen jeden Sonntag abend um 22.30 Uhr ausstrahlt. Sie enthält Szenen, Gespräche, Momente aus dem Leben einer Gruppe von Mädchen, in voller Metamorphose vom Kind zur Frau. Wir lernen nach und nach ein Ensemble von Figuren kennen, die verschiedene Temperamente, Erfahrungen und Bedürfnisse haben. Es gibt Gespräche, in denen altersaktuelle "Themen " abgehandelt werden: Pubertät, Flirten, Berufsbilder, Kinderkriegen, Tod, Politik und Geschichte.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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