Ausgabe Juli 2001

Pluripotenz

Ernst-Ludwig Winnacker ist ein vielseitiger Mann. Aufmerksame Leser konnten ihn in den letzten Jahren in höchst unterschiedlichen, fein aufeinander abgestimmten Rollen kennenlernen. Da ist zuerst der Wissenschaftslobbyist Winnacker. Nennen wir ihn W. 1. Er zeichnet verantwortlich für den gen- und biotechnologischen Teil einer Broschüre der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der keineswegs die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden ist (vgl. "Blätter", 12/1996). Da geht es um die Deregulierung der "Zukunftstechnologien", von denen manche es für vorteilhaft halten, im Gewande von Wissenschaft und Forschung zu marschieren und deren grenzenlose Freiheit für sich in Anspruch zu nehmen. Ein Satz mag genügen, um den Geist dieses Plädoyers für "Forschungsfreiheit" heraufzubeschwören: "Eine wesentliche Ursache für Forschungsbehinderungen stellen G e s e t z e dar. Sie schränken die Forschungsfreiheit zum Teil absichtlich ein, wie zum Beispiel das Tierschutzgesetz, zum Teil aber unbeabsichtigt [...] wie zum Beispiel das Bundesnaturschutzgesetz, das Bundesdatenschutzgesetz" (S. 2). Das ganze Pamphlet fordert für die Forschung einen Ort außerhalb jedweder gesetzlichen Beschränkung, und besonders lästig ist neben dem Betriebsverfassungsgesetz wen wundert's.e - das Embryonenschutzgesetz.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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