Ausgabe Juli 2001

Wir können nicht darauf warten, daß sich das von selbst regelt.

Die CDU und die soziale Frage Blätter-Gespräch mit Heiner Geißler

"Blätter": Herr Geißler, kürzlich träumten Sie davon, ein Revolutionär zu sein und die Welt zu verändern. Was wäre anders in der Welt nach Ihrer Revolution?

Heiner Geißler: Natürlich wäre sie die heilste aller heilen Welten. Eine Utopie, an der schon alle Weltverbesserer gescheitert sind. Ganz zentral wäre die Durchsetzung der Unantastbarkeit der Menschenwürde, und zwar für wirklich jedermann überall auf der Erde, unabhängig davon, ob jemand Weißer oder Schwarzer ist, Christ oder Jude - für Frauen im Islam genauso wie für die Muslime hier in Deutschland, die ein Minarett an ihrer Moschee hochziehen wollen und nicht dürfen. Und auch unabhängig davon, ob jemand krank oder gesund ist, behindert oder voll leistungsfähig, alt oder jung, geboren oder ungeboren. Das müßte Gegenstand oder Ergebnis einer solchen Revolution sein, was übrigens zeigt, daß es gar nicht so illusionär ist, denn genau das muß in Deutschland möglich sein. Das führt uns schnell auf die konkrete Politik, nämlich wie wir die Exzesse des modernen globalen Kapitalismus einschränken oder besser noch beseitigen können durch die Installierung einer internationalen, einer globalen sozialen Marktwirtschaft.

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In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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