Ausgabe Juni 2001

Bewährungsprobe Biopolitik

Schwierigkeiten bei der Gestaltung des gentechnischen Fortschritts

Wer erst im letzten Jahr begonnen hat, Zeitung zu lesen und fernzusehen, musste den Eindruck gewinnen, etwas völlig Neues habe die gesellschaftliche Arena betreten. Eine bahnbrechende Entwicklung der Wissenschaft, die Entzifferung des menschlichen Genoms, habe soeben stattgefunden und nun versuchten die Medien tapfer, einer erstaunten Laien-Öffentlichkeit zunächst zu erklären, worum es sich dabei handelt, um schließlich die daraus entstehenden politischen Anforderungen zu vermitteln. Zwar sind der Wissenschaft in den letzten Jahren tatsächlich bahnbrechende neue Entdeckungen gelungen, neu jedoch ist das Thema „Genetik und ihre gesellschaftlichen Folgen“ deshalb mitnichten. Lebhafte Diskussionen gab es bereits in den 80er und 90er Jahren, aber lange nicht einen derartigen drive in der Berichterstattung, wie er gegenwärtig der wissenschaftlichen Entwicklung widerfährt. Nicht jeder Durchbruch in der Grundlagenforschung – wie es die Entzifferung des menschlichen Genoms ist – findet seinen Weg von den Wissenschaftsseiten auf das Titelblatt (oder gar ins Feuilleton) der Zeitungen. Dass die Biowissenschaft einen solchen Schub an öffentlicher Wahrnehmung erfuhr, dazu mussten weitere Faktoren hinzukommen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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Am Morgen des 24. März hängten unbekannte Aktivisten eine Schaufensterpuppe, die die antike römische Göttin Minerva darstellt, am Denkmal des Grafen Uwarow in der Nähe des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität St. Petersburg auf. In der Hand der antiken Schutzherrin der Wissenschaften befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Die Wissenschaft ist tot“.