Ausgabe Dezember 2024

Mannigfaltigkeit statt Homogenität

Wilhelm von Humboldt und die Geburt der Diversität

Humboldt-Denkmal vor der Humboldt-Universität in Berlin (IMAGO / PEMAX)

Bild: Humboldt-Denkmal vor der Humboldt-Universität in Berlin (IMAGO / PEMAX)

Auch wenn Begriffe wie Biodiversität oder diversity management erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts geprägt wurden und seitdem den politischen Diskurs zur biologischen und sozialen Diversität bis in unsere Gegenwart hinein dominieren, verweist deren Vorgeschichte weit zurück bis ins 18. Jahrhundert – und sie ist unmittelbar mit einem revolutionären Ereignis verbunden, das wie kein anderes für die Entstehung der modernen Gesellschaft steht, nämlich mit der Französischen Revolution.

Nur wenige Jahre nach deren Ausbruch, im Januar 1792, veröffentlichte Wilhelm von Humboldt in der Berlinischen Monatsschrift einen kurzen Text mit dem Titel „Ideen über Staatsverfassung, durch die neue Französische Constitution veranlaßt“, der auf einem Brief an einen Freund aus dem August des vorhergehenden Jahres basierte und ihn zum Begründer einer neuen politischen Strömung machen sollte. Als das französische Feudalsystem durch die Nationalversammlung abgeschafft wurde, gehörte der junge Gelehrte wie so viele deutsche Philosophen und Dichter, von Hegel über Hölderlin bis Schiller, zu den interessierten, den Ereignissen im Nachbarland zugeneigten Beobachtern. Spätestens jedoch mit der Hinrichtung des französischen Königs am 21. Januar 1793 änderte sich die Stimmung unter den europäischen und speziell den deutschen Kommentatoren. Da die politischen Maßnahmen der Revolutionäre immer radikaler wurden, wuchs die Sorge vor weiteren Gewaltexzessen.

»Blätter«-Ausgabe 12/2024

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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