Ein Montenegriner und ein Serbe holten zusammen einen Goldfisch aus dem Meer, der sogleich seine körperliche Unversehrtheit gegen die Erfüllung von drei Wünschen eintauschen wollte. Während sich der kleinstaatlerisch gesinnte Montenegriner die völkerrechtliche Anerkennung für sein Land sowie den Bau einer chinesischen Mauer an den Grenzen zum serbischen Brudervolk wünschte, erkundigte der Serbe sich erst einmal nach der Machbarkeit dieser zwei Projekte. Als der Fisch versicherte, er könne auch die ausgefallensten Wünsche verwirklichen und der Montenegriner dürfe voller Zuversicht in die eigenstaatliche Zukunft schauen, da verlangte der sichtlich zufriedene Serbe nur noch ein kleines Bier. Diese und ähnliche politische Sottisen aus Belgrad widerspiegeln die dort verbreitete Einstellung gegenüber dem offenbar nie enden wollenden Gezerre um die Selbständigkeit der adriatischen Zwergrepublik. Die Parlamentswahlen am 22. April haben eher für weitere Verlegenheit gesorgt, da Präsident Milo Djukanovic lediglich einen Pyrrhussieg erzielte. Seine Koalition mit dem beflügelnden Namen „Der Sieg gehört Montenegro“ gewann 36 von 77 Sitzen im Parlament, während der Hauptgegner – eine Koalition mit dem nicht minder enthusiasmierenden Namen „Gemeinsam für Jugoslawien“ 33 Mandate verbuchte – weit mehr als erwartet, aber zu wenig, um eine wirkliche Wende herbeizuführen.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.