Ausgabe Mai 2001

Keine Beteiligung an Raketenabwehrprogrammen - Entschließung des ver.di-Gründungskongresses vom 21. März 2001 (Wortlaut)

Gegen eine deutsche Beteiligung an den Raketenabwehrplänen der USA (vgl. das Schwerpunktthema der April-"Blätter" sowie den Beitrag von Bernd W. Kubbig in diesem Heft) regen sich erste Proteste. Wir dokumentieren nachstehend den Appell "Raketen abrüsten statt abwehren!" einer am 24. März in Kassel gegründeten bundesweiten Initiative sowie die Entschließung "Keine Beteiligung an Raketenprogrammen", die auf dem Gründungskongreß der Gewerkschaft ver.di in Berlin am 21. März verabschiedet wurde. - D. Red.

Der ver.di-Gründungskongress fordert die Bundesregierung auf, eine Teilnahme am US-amerikanischen Raketenabwehrprogramm NMD oder an ähnlichen Programmen unmissverständlich abzulehnen. ver.di wird den DGB für diese Forderung gewinnen und mit ihm gemeinsam öffentlichkeitswirksam vertreten.

Begründung

NMD - ein milliardenschweres Rüstungsprogramm - ist eine Neuauflage der Reagan'schen Strategischen Verteidigungsinitiative SDI. Das Programm stellt eine Bedrohung des Friedens und der internationalen Sicherheit dar. Damit werden die weltweiten Abrüstungsbemühungen für atomare Massenvernichtungswaffen auf der Erde und im Weltraum unterlaufen. Eine neue Runde weltweiten Wettrüstens und neue Kriegsgefahren wären die Folge.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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