Ausgabe Mai 2001

US-Raketenabwehr - Deutsche Optionen und Handlungsspielräume

Eine Zwei-Pfeiler-Strategie

Die Ziele amerikanischer und deutscher Politik im Hinblick auf die Raketenabwehr sind sehr unterschiedlich. Den gegenwärtig im Detail - wenn auch nicht in der Grobausrichtung - unbekannten amerikanischen NMD/TMD Plänen 1) stehen deutsche Bedenken hinsichtlich der Folgen eines Raketenabwehrschirms gegenüber. Die Berliner Sorgen betreffen ein neuerliches Wettrüsten und sie gründen auf der erhöhten Wahrscheinlichkeit globaler und regionaler Instabilitäten. Die transatlantische Herausforderung besteht darin, den Zusammenhalt der Allianz nicht aufs Spiel zu setzen und das übergeordnete Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dieses Ziel ist zweifacher Art. Zum einen gilt es, eine gemeinsame Basis zu finden, um der Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln (WMD) mit primär politisch-diplomatischen Mitteln entgegenzuwirken. Zum anderen muß ein Verhaltenskodex insbesondere zwischen der einzigen Supermacht USA und der nicht-demokratischen regionalen, potentiell globaler, Hegemonialmacht China gefunden werden. Die folgenden Überlegungen zielen darauf ab, der Bundesregierung und dem Bundestag eine am Primat von Diplomatie und Rüstungskontrolle orientierte Strategie zu unterbreiten. Angesichts des zunehmenden Unilateralismus und der militarisierten Nonproliferationspolitik der USA wird eine solche Zwei-Pfeiler-Strategie vor allem gegenüber Washington dringend notwendig

I.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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