Als König Mohammed VI. im Juli 1999 seinem Vater Hassan II. auf den Thron folgte, wurde er schnell zu einer Symbolfigur für die Hoffnung auf ein demokratisches Marokko. Er bleibt jedoch - trotz einiger Anzeichen für eine Abwendung vom autokratischen Regierungsstil seines Vaters - den Zwängen des autoritären Systems, das er erbte, unterworfen. Die demokratischen Kräfte Marokkos bezweifeln nun, daß einer politischen Reform Aussicht auf Erfolg beschieden sei, wenn nicht zugleich grundlegende Änderungen des Systems erfolgen. Die Marokkaner glauben nicht daran, daß Ungerechtigkeit und Korruption abgeschafft werden können, solange die sogenannten "Stahlmasken" - die alte Garde von Ratgebern, Würdenträgern und hohen Offizieren - an der Seite des Königs sitzen. Doch weder die pro-demokratischen politischen Parteien, die vom Volk isoliert sind, noch die Islamisten, die über keine glaubwürdigen Pläne zur Modernisierung oder Demokratisierung des Landes verfügen, haben das Potential, das autoritäre System herauszufordern. Die politische Krise Marokkos geht über die Probleme, die sich normalerweise mit Liberalisierung und Demokratisierung verbinden, hinaus. Gewöhnlich handelt es sich darum, eine weltliche Macht zu mehr Verantwortlichkeit gegenüber ihren Bürgern zu verpflichten.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.