Ausgabe Dezember 2002

Die Zivilmacht Europa bleibt Projekt

Zur Debatte um Kagan

Amerika zimmert an einer neuen Weltordnung, und den Europäern läuft es kalt über den Rücken. Auf den Meinungsseiten der US-Medien und in den Think Tanks zirkulieren Visionen einer weltumspannenden Pax Americana, wie diejenige von Robert Kagan (nachzulesen in den Oktober-„Blättern“) oder von Ronald D. Asmus und Kenneth M. Pollack (im vorliegenden Heft). Und am 20. September dieses Jahres präsentierte die Bush-Administration mit der Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika1 (NSS 2002) offiziell ihre Vorstellung von einer neuen amerikanischen Welt- Ordnungspolitik.

Gemeinsam ist all diesen Texten und Visionen das Selbstbewusstsein überlegener Machtfülle und zumeist auch ein gewisser imperialer Duktus: Amerika, in Augenhöhe mit dem Römischen Reich. Grenzenloses Selbstvertrauen, aber zugleich ein tief sitzendes Gefühl der Verunsicherung bestimmen heute die außenpolitische Diskussion in Amerika. In Europa dagegen beherrschen Selbsttäuschung und Kleinmut die Szene.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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