Ende Juli verlängerte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das UN-Mandat für die Westsahara um weitere sechs Monate bis zum 31. Januar 2003. Bis dahin soll der Sondergesandte für die Region, der frühere US-Außenminister James Baker, einen neuen Vorschlag zur Lösung des Konflikts um den Status des 1975 von Marokko besetzten Territoriums ausarbeiten. Seit dem Waffenstillstand 1991 hatte die UNO versucht, ein Referendum über die Selbstbestimmung abzuhalten, das aber am hinhaltenden Widerstand aus Rabat scheiterte. Angesichts dessen schlug im Juni 2001 UN-Generalsekretär Kofi Annan als Kompromiss einen Autonomiestatus für die Westsahara innerhalb Marokkos vor. Dieser wird von der Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario und ihren Unterstützern in westlichen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) abgelehnt. Abdeslam Maghraoui, Lecturer an der Princeton University, hält dagegen: Die Ansprüche Marokkos auf die Westsahara seien historisch begründet, die NGOs hätten sich für die Demokratisierung Marokkos statt für die Unabhängigkeit der Westsahara einsetzen sollen – ein Beitrag über die Legitimationsprobleme staatlicher Grenzziehungen im postkolonialen Afrika. – D. Red.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.