Ausgabe Dezember 2002

Kuba in Afrika

Im Rahmen der afrikanischen Tragödien gab es im April 2002 einen Lichtblick, als Angolas Zentralregierung mit der längst zu einer marodierenden Soldateska verkommenen UNITA einen Waffenstillstand unterzeichnete. Wenige Wochen zuvor war deren Chef Jonas Savimbi in einem seiner letzten Schlupfwinkel aufgestöbert und erschossen worden. Savimbis Traum bestand darin, Angola der westlichen Allianz einzugliedern. Im Kontext des damaligen Kalten Kriegs brachte ihm dies die Unterstützung des Apartheid-Regimes in Südafrika und der Vereinigten Staaten ein. Fast hätte er sein Ziel im November 1975 erreicht – wären die Kubaner nicht dazwischengefahren.

Da war doch was?! Aber in Afrika will man sich daran nicht erinnern. So kommt der neueste Band von Piero Gleijeses1 höchst gelegen, um an ein verschüttetes Kapitel afro-kubanischer Politik zu erinnern. Das Buch kann manche blinde Flecken der kubanischen Afrika-Politik erhellen, der einstigen großen Außenpolitik eines kleinen Staates, heute schon wieder fast vergessen. Deswegen auch die Einwilligung des offiziellen Kuba zur Archivbenützung und zu ausführlichen Gesprächen mit 84 hochrangigen, in Afrika eingesetzten Kommandeuren. Jetzt, wo nur noch touristische Devisendollar zählen, soll die heroische Vergangenheit, auf die insbesondere die Offiziere stolz sind, dokumentiert werden.

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von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.