Ausgabe Februar 2002

Bioethik der Interessen

Die Würde des menschlichen Lebens ist zum Abstimmungsgegenstand geworden. Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder installierte Nationale Ethikrat hat Ende vergangenen Jahres das gewünschte und erwartete Votum abgegeben. Mit deutlicher Mehrheit sprach sich der Expertenzirkel für den Import menschlicher embryonaler Stammzellen nach Deutschland aus. Nur ein paar Tage zuvor war die Beratungskommission des Bundestages genau zu dem entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Was ist davon nun zu halten? Embryonale Stammzellen sind Alleskönner. Aus ihnen wollen Forscher Ersatzgewebe und Zellen für Schwerkranke züchten. Das ist die Vision.

Therapie oder gar Heilung sind derzeit aber nur Zukunftsversprechen. Und: Momentan geht es alleine um Grundlagenforschung. Das ethische Dilemma besteht nun darin, dass menschliche Embryonen getötet werden müssen, um überhaupt erst einmal an die embryonalen Stammzellen heranzukommen. Darüber wird heftig und zum Teil grundsätzlich-fundamentalistisch - gestritten. Denn dahinter steht die Kardinalfrage: Welcher moralische und juristische Status kommt einem Embryo zu? Und: Darf Leben so überhaupt gegen Leben abgewogen werden? Aber noch bevor sich Politik und Gesellschaft zu einer Entscheidung im Umgang mit den brisanten biomedizinischen Fragen durchgerungen haben, gibt die Praxis bereits immer mehr Antworten - schafft die Wissenschaft Fakten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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