Im Jahr 1798 publizierte Kant drei ältere Abhandlungen unter dem Titel "Der Streit der Fakultäten". Darin entwickelt er eine moderne Idee der Wissenschaft. Auffällig ist freilich, dass er Wissenschafts- und Universitätssystem identifiziert. Die Universität oder die Wissenschaftlergemeinschaft ist im Unterschied zum "bürgerlichen" das "gelehrte gemeine Wesen", eine juristische Körperschaft: die Gelehrtenrepublik. 1) Modern ist diese Idee, weil sie sich f u n k t i o n a l an der Differenzierung von Macht und Wahrheit orientiert. In der Gelehrtenrepublik geht es um Wahrheit und Beweise, im Staat um Macht und Befehle. 2) Lehre und Forschung sind nur der Gesetzgebung der Vernunft verpflichtet. 3) Modern ist diese Idee aber auch n o r m a t i v, denn Kant legt der Wissenschaft den Begriff einer "freien Verfassung" zugrunde und lokalisiert sie damit historisch im Horizont der Französischen Revolution. 4) Politik, Recht, Moral und Wissenschaft entspringen der einen Quelle der Freiheit. Die öffentliche Bedeutung autonomer Wissenschaft sah Kant einmal in der Selbstaufklärung des "g e l e h r t e n gemeinen Wesens durch den Streit der Fakultäten und zum anderen in der volkspädagogischen Aufklärung des breiten Publikums als "bürgerliches gemeines Wesen".
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.