Weltgeist auf Papier
Am 14. März 2026 starb im Alter von 96 Jahren der Sozialphilosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tief geprägt vom Kriegsende 1945, stand stets eines im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung der Demokratie.
Hauke Brunkhorst, geb. 1945 in Marne/Holstein, Dr. phil., ist Professor für Soziologie an der Universität Flensburg.
Im Folgenden finden Sie sämtliche »Blätter«-Beiträge von Hauke Brunkhorst.
Am 14. März 2026 starb im Alter von 96 Jahren der Sozialphilosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tief geprägt vom Kriegsende 1945, stand stets eines im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung der Demokratie.
Die Kanzlerin geht gegen die neoimperiale „America first“-Strategie Donald Trumps in die Offensive. Völlig zu Recht fordert sie die Emanzipation Europas von den Vereinigten Staaten: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.
Ein Jahr nach Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise bestimmt das Thema weiterhin die Schlagzeilen in Deutschland und Europa. Doch eines wird dabei konsequent verdrängt: die koloniale Ursache der globalen Fluchtbewegung. Wer aber von der imperialen und kolonialen Vergangenheit Europas nicht reden will, sollte von der „Flüchtlingskrise“ schweigen.
Das parlamentarische Regime“, schrieb ein Autor des 19. Jahrhunderts, ist das „Regime der Unruhe“, das die egalisierende, rationale und weltverändernde Kraft der Negation freisetzt. Es „lebt von der Diskussion […].
In den letzten Jahren ist das Interesse am Werk von Karl Marx erheblich gestiegen – zuletzt durch das fulminante Werk von Thomas Piketty „Capital in the twentyfirst century“ (siehe dazu: Paul Krugman, Thomas Piketty oder Die Vermessung der Ungleichheit, in: „Blätter“, 6/2014, S. 71-81).
Wer angesichts der gegenwärtigen Krise Europas und der deutschen Dominanz von einem Wiedererstarken der Nationalstaaten redet oder gar den Mythos des Nationalcharakters wieder aufleben lässt, weiß nicht, wovon er spricht. Die europäische Realität sieht anders aus, in rechtlicher wie in politischer Hinsicht.
Seine Stimme fehlt: Wir trauern um »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik und erinnern an ihn mit der Würdigung von Hauke Brunkhorst anlässlich seines 60. Geburtstags vor 18 Jahren.
Nach dem Beginn des Folter-Prozesses gegen den früheren Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, und dessen beharrlicher Verweigerung jeglicher Schuldeinsicht schlägt die Debatte um die Legitimität von Folter neue Wellen.
Der Verfassungsentwurf der Europäischen Union ist Ende letzten Jahres auf der Regierungskonferenz in Brüssel gescheitert. Ob er eine zweite Chance haben wird, ist keineswegs gewiss. Steht die Union kurz vor der Erweiterung jetzt ohne Verfassung da?
Verfassungen sind seit dem 18. Jahrhundert und infolge der Französischen und der Amerikanischen Revolution Staatsangelegenheit.
Im FAZ-Sonntagsblatt vom 20. Januar 2002 antwortet die CDU-Vorsitzende Angela Merkel auf die Frage: „Die Union hat in der Einwanderungsdebatte oft den Integrationsgedanken hevorgehoben. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht das Schächten von Tieren, wie es im Islam üblich ist, erlaubt. Wie bewerten Sie das Urteil?“
Im Jahr 1798 publizierte Kant drei ältere Abhandlungen unter dem Titel "Der Streit der Fakultäten". Darin entwickelt er eine moderne Idee der Wissenschaft. Auffällig ist freilich, dass er Wissenschafts- und Universitätssystem identifiziert.
Der Begriff der Solidarität hat zwei alteuropäische Wurzeln. Eine geht auf die heidnisch-republikanische p h i l i a zurück und die andere auf die biblisch-christliche N ä c h s t e n l i eb e. P h i l i a wird von Aristoteles als B ü r g e r f r e u n ds c h a f t bestimmt und scharf von den häuslichen Sippschaftsund Familienbanden abgegrenzt.
Geschichtsbilder sind die zeitliche Seite von Gesellschaftsbildern und Gesellschaftsbilder die soziale Seite von Geschichtsbildern. Unter Geschichtsbildern verstehe ich Grundannahmen über Verlauf und Gesetzmäßigkeit der Geschichte.
In den 80er Jahren waren die Soziologie und die Sozialphilosophie im öffentlichen Bewußtsein abgemeldet.
Im Jahre 1989 schien es so, als würde sich ereignen, was Hannah Arendt spätestens seit 1956 erwartet hatte. Für dieses Ereignis gab es außer der gescheiterten ungarischen und den vielen ebenfalls gescheiterten Räteregierungen der europäischen Revolutionen des 18., 19. und 20.