Ausgabe August 1994

Erziehung zur Gemeinschaft?

Über den modernitätstypischen Zusammenhang von Kritik, Krise und autonomer Subjektivität

In den 80er Jahren waren die Soziologie und die Sozialphilosophie im öffentlichen Bewußtsein abgemeldet. Das Bewußtsein war von der neuen Dynamik und explosiven Kraft eines kapitalistischen Wachstums gebannt, mit dem niemand mehr gerechnet hatte in einer Zeit, in der das Wort "Spätkapitalismus" in aller Munde und Ausdruck einer reformistischen, bis weit nach links geöffneten, kulturellen Stimmungslage war. Mit dem "Spätkapitalismus" - übrigens keine Erfindung der Linken, vielmehr ein der deutschen Soziologie seit Sombart geläufiger Ausdruck - verschwanden in den 80er Jahren auch die "Krise" und die "Gesellschaft" aus dem Selbstverständnis der westlichen Gesellschaft. Die Gesellschaft schien sich buchstäblich zu individualisieren, und das Dauerbewußtsein der "Krise", das die Moderne seit Anbeginn begleitet, wurde abgelöst durch den postmodernen Widerstreit des individualisierten Selbstbehauptungsoptimismus mit einem diffusen, ökologisch-pazifistisch gestimmten Unbehagen an der Fortschrittskultur.

Das Verschwinden der Gesellschaft im Risikodiskurs

Einem einzigen soziologischen Buch ist es in den 80er Jahren gelungen, dem Begriff der "Gesellschaft" noch einmal etwas von der alten zeitdiagnostischen Kraft zurückzugeben und ihm Raum im öffentlichen Bewußtsein zu verschaffen. Ulrich Becks R i s i k og e s e l l s c h a f t 1).

August 1994

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema