Zum Tode von Jürgen Habermas
Bild: Jürgen Habermas (IMAGO / photothek)
Am 14. März 2026 starb im Alter von 96 Jahren der Sozialphilosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tief geprägt vom Kriegsende 1945, von der Erfahrung des Umbruchs vom verbrecherischen NS-Regime zur parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts, stand stets eines im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung der Demokratie.
Als Willy Brandt 1969 Bundeskanzler wurde und nach einigem Zögern Jürgen Habermas bat, seinem Beraterkreis beizutreten, verabschiedete dieser sich schon nach der ersten gemeinsamen Sitzung mit folgenden Worten: »Meine Befürchtung geht dahin, dass die Sozialdemokratie, aus Berührungsfurcht vor eigenen Traditionen, eine Wahrnehmungssperre haben könnte. Die Kontrolle von wirtschaftlicher Verfügungsmacht, und das heißt heute: der Ausbau der Globalsteuerung zu einer Strukturplanung (die Eingriffe in private Investitionsentscheidungen nicht von vornherein diskriminiert) wird mittelfristig unvermeidlich sein, wenn die Regierung sich gesellschaftspolitisch nicht treiben lassen, sondern alternative Prioritäten entwickeln und auf politischem Weg zur Entscheidung bringen will.«1 Habermas stand sein ganzes Leben der Sozialdemokratie nahe, genauer: ihrem linken Flügel. Dabei ahnte er früh, dass selbst die am weitesten links stehendende Regierung der alten Bundesrepublik, eben die der Brandt-Ära von 1969 bis 1974, letztlich an der Macht der Wirtschaft und konkret an der Eigentumsfrage scheitern würde.