Ausgabe Februar 2002

Somalia im Visier der Anti-Terror-Allianz.

Hintergründe des Staatszerfalls

Sechs Jahre nach dem Scheitern der UN-Intervention in Somalia gerät das ostafrikanische Land erneut in den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit. Es gilt als möglicher Rückzugs- und Operationsraum für internationale Terroristen und steht neben dem Irak, dem Jemen und dem Sudan weit oben auf der Liste der amerikanischen Kriegszielplanung. Ein von Washington veröffentlichter Text, der Verbündete von Osama Bin Laden und Al Qaida aufzählt, nennt zwei Organisationen, die auf Somalia verweisen. Die radikal-islamische Al-Ittihad-al-Islami (Islamische Einheit), die im Süden des Landes Trainingslager unterhalten und über enge Verbindungen zum Al Qaida-Netzwerk verfügen soll, sowie das Finanzinstitut Al Barakaat. Letzteres hat in Somalia mehrere Zweigstellen und ein fast flächendeckendes Kommunikationsnetz aufgebaut.

Am 22. November 2001 wurden die Auslandsverbindungen dieser Bank gekappt und ihre internationalen Konten eingefroren. Die Maßnahme unterbindet nicht nur die mögliche Unterstützung von Terroristen, sondern auch die Finanztransfers der somalischen Diaspora, von der 80% der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes abhängen. Die Entsendung deutscher Marineeinheiten an den Golf von Aden verleiht Spekulationen über einen direkten Kriegseinsatz der Anti-Terror-Allianz neues Gewicht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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