Ausgabe Januar 2002

Aznars Ambitionen

Die spanische Volkspartei und ihr europäischer Führungsanspruch

Vor zwei Jahren fragte der Londoner "Economist" angesichts der erdrückenden Übermacht sozialdemokratischer Regierungen in der Europäischen Union "Europas Rechte - wohin jetzt?". Die Frage nach der Richtung und Zukunft der europäischen Rechten ist auch heute noch weitgehend offen, die Lage der Mitte-Rechts-Parteien auf europäischer Ebene trotz der jüngsten Wahlerfolge in Italien und zuvor in Österreich unverändert düster. In den 1990er Jahren war nach der konservativen Dominanz der 80er Jahre eine Regierung nach der anderen an die Sozialdemokraten gefallen, ob alleinregierend oder in Koalitionen. Gegen diesen europäischen Trend steht seit 1996 die spanische Volkspartei (Partido Popular) unter José María Aznar als nunmehr einzige alleinregierende konservative Partei in Westeuropa. Diese wurde zudem 2000 aus der (Minderheits-)Regierung heraus mit absoluter Mehrheit bestätigt, was für spanische Verhältnisse einem politischen Erdbeben gleichkommt. Schon wird vom spanischen Modell gesprochen, Aznar als Referenzpunkt der Konservativen in Europa beschrieben, seiner Partei eine Führungsrolle zugesprochen und auch von ihr selbst reklamiert. Dies ist um so erstaunlicher, als bislang die etablierten westeuropäischen Schwesterparteien als Vorbild für ihre spanischen Partner galten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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