Ausgabe Januar 2002

Demokratiemüdigkeit

Ein Jahr George Bush II. Was die Analysen und Kommentare Ende Januar am Jahrestag seines Amtsantritts verkünden, mutmaßen und behaupten werden, steht eigentlich schon seit Beginn des Weltkrieges gegen den Terrorismus fest: Der Chef des Ganzen hat sich wacker geschlagen. Hätte man dem intellektuell und sprachlich wohl nur mäßig begabten Filius gar nicht zugetraut. Alle Achtung. Erst in der Krise zeigt sich der wahre Mann. Feuertaufe, neue Epoche etc. Laura ist besser als Hillary. Amerika schlägt zurück. America United. God Bless America. Und so weiter und so fort.

Stänkern ist unpatriotisch, wenn der Präsident ein approval rating hat, das an das Hoch seines Vaters nach dem Golfkrieg erinnert. Aber da war doch mal etwas Verqueres. Die Präsidentschaftswahl vom November 2000? Bushs „Wahlsieg“? Das Chaos im sonnigen Florida? Das erstemal, daß ein höchstrichterlicher Spruch eine Präsidentschaftswahl entscheidet? Amerika hat’s anscheinend verdaut. Ein Realismus wie der des Footballfans, der eine spielkostende Fehlentscheidung des Schiedsrichters nach anfänglichem Zetern hinnimmt. Weil das Nachtarocken doch nichts bringt und nach dem Abpfiff alles vorbei ist. Oder?

Rückblick: Am 7.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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