Ausgabe Juni 2002

Französischer Weg - adieu?

Le Pens Einzug in die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen war ohne Zweifel der beunruhigendste Ausdruck eines politischen Desasters, das trotz der massiven Proteste auf den Straßen und des deutlichen Anti-Le-Pen-Votums am 5. Mai in Frankreich noch lange nachwirken wird. Neben dem Erfolg der Neofaschisten machen jedoch andere, nicht viel weniger irritierende Ergebnisse dieser Wahl das Ausmaß und die Ursachen des "politischen Erdbebens" erst deutlich. Die höchste Wahlenthaltung in der Geschichte der Präsidentschaftswahlen, das schlechteste Ergebnis, das je ein Präsident im ersten Wahlgang erzielt hat, sowie der - abgesehen von den Grünen - beispiellose Absturz der Kandidaten der parlamentarischen Linken geben den Blick auf eine insgesamt tief verunsicherte Gesellschaft frei. Während die konservativ-liberale Rechte im Sog der antifaschistischen Mobilisierung durch zumeist linke Organisationen auf einen deutlichen Sieg im zweiten Wahlgang hoffen durfte, musste sich die gauche plurielle auf die Suche nach den Ursachen für dieses Debakel machen.

Nicht ohne eine gewisse Larmoyanz wurde sie zunächst überall dort fündig, wo sie ihre eigene politische Positionierung nicht überdenken muss: Ohne Frage ist Frankreich in einer "schlechten Verfassung". Das Institutionengefüge der V.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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