Ausgabe März 2002

Alle Macht den Amateuren?

Vor sieben Jahren verfaßten einige dänische Filmregisseure ein Manifest namens DOGMA 95, in dem sie sich für ihre künftigen Projekte zur Einhaltung strenger Regeln verpflichteten: Die Verwendung von Stativ, künstlicher Beleuchtung, von gebauten Kulissen oder Off-Musik war fortan strikt verboten. Das "back to basics"Prinzip, zumindest im technischen Bereich, richtete sich aber vor allem gegen die wachsende Verwendung von computergenerierten Tricktechniken im Hollywood-Film, mit denen infantile Phantasie(oder Fantasy-) Produkte endgültig dominant wurden. "Die Illusion ist alles, hinter dem sich der Film verstecken kann", heißt es im Manifest. Aus der Ferne läßt sich die DOGMA-Gruppe in die Reihe jener in der Geschichte des Kinos immer wieder auftauchenden Erneuerungsbewegungen (Neorealismus, Nouvelle Vague, Direct Cinema, New Hollywood etc.) einordnen, die das Medium von den Verkrustungen zu befreien und eine neue Art der Hinwendung zur Realität zu vollziehen suchten.

Es überrascht nicht, daß im Zeitalter der Digitalisierung eine solche Rückbesinnung auf die dokumentarischen Ursprünge des Kinos erfolgt. Zum Markenzeichen der DOGMA-Filme avancierte inzwischen eine wackelige und mit einer gewissen Hektik ständig in Bewegung befindliche Handkamera.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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