Ausgabe Mai 2002

Amerika und die Welt: Die Twin Towers als Metapher

I. America the Beautiful

O beautiful for patriot dream / That sees beyond the years / Thine alabaster cities gleam / Undimmed by human tears! / America! America! / God shed his grace on thee / And crown thy good with brotherhood / From sea to shining sea! 1)

Es dürfte kaum einen amerikanischen Präsidenten geben, der nicht irgendwann erklärte, die Vereinigten Staaten seien das großartigste Land der Welt. Ich weiß nicht, ob unsere allgegenwärtigen Meinungsforscher die Frage jemals direkt gestellt haben, vermute aber, ein enormer Anteil der US-Bevölkerung würde diesem Urteil beipflichten. Wie mag so etwas in den Ohren anderer klingen? Und nicht allein in armen Ländern, deren Kulturen sich von der unsrigen wesentlich unterscheiden: Wie mag es auf unsere Freunde und Verbündeten wirken - auf die Kanadier, die Engländer und natürlich die Franzosen? Ob Tony Blair die Vereinigten Staaten wohl für das großartigste Land der Welt hält, großartiger als sein eigenes? Würde er es wagen, so etwas zu denken? Sieht Papst Paul II. die Dinge so? Gibt es, außer den Amerikanern und denen, die gerne in die USA einwandern würden, überhaupt irgend jemanden, der so denkt?

Das Phänomen des Nationalismus findet sich natürlich nicht allein unter Amerikanern.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema