Ausgabe Mai 2002

Die Tino-Union

Seit der Nominierung Edmund Stoibers sind gut drei Monate ins Land gegangen. Das erste Drittel des Wahlkampfs ist gelaufen. Dieser tritt in seine zweite Phase, die der Mobilisierung. Wo aber steht die Opposition nach der ersten Etappe? Wie hat sich der Kanzlerkandidat Stoiber bisher präsentiert? In einem Satz: Das Profil ist blass geblieben. Von Ecken und Kanten keine Spur. Und die Wahlkampfstrategie der Union ging bisher weit weniger auf als geplant.

Aber der Reihe nach. Den Wahlkampfauftakt nach der Nominierung Edmund Stoibers prägten das Schaulaufen der Spin-Doctors und ihre Versuche, die Kontrahenten mit eingängigen Slogans auszustatten. Ex-„Bild“-Chef Michael Spreng verpasste dem Unions- Kandidaten ein denkbar simples Label: Ernste Zeiten brauchen einen ernsten Kanzler. Gegen den Spaß- und Medienkanzler Gerhard Schröder sollte sich Edmund Stoiber als Pflichtmensch in Szene setzen, als die authentischere Kanzlerausführung. Dahinter stand die Annahme, der Vorzeigestandort Bayern beglaubige per se Stoibers wirtschaftliche Kompetenz, vor allem im Bereich der neuen Medien. Der Rest verstand sich von selbst: Eine Negativkampagne sollte das stärkste Pferd im Stall der SPD, den Kanzler, zum lahmen Gaul stempeln.

Die puristische Kampagne des Kandidaten basierte somit auf zwei Säulen: Authentizität und Kompetenz.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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