Ausgabe November 2002

Implosion allierter Solidarität

Robert Kagan konstruiert einen prinzipiellen Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa in Struktur und Verhalten, den er auf eine Asymmetrie der Macht zurückführt. Natürlich sind die Europäer durch ihre klein- und mittelstaatliche Realität und ihre Geschichte spezifisch determiniert. Aber wie die US-Außenpolitik zwischen idealistischem Internationalismus und „realistischem“ Isolationismus oszillierte, gab es in der „europäischen Politik“ stets – auch nach 1945 – nicht nur sehr divergierende Positionen zwischen einzelnen Staaten, sondern auch Außenpolitikwechsel dieser Staaten im Laufe der Zeit. Das unterschiedliche Machtpotential ist nur einer der Faktoren, die das Verhalten von Staaten bestimmen.

In neuester Zeit hat vor allem dasEnde des Kalten Krieges Veränderungen in den internationalen Beziehungen bewirkt, die dasVerhältnis zwischen Europa und den USA tangieren. Sicherheitspolitisch sind die europäischen DemokratienvonderUS- Garantiewenigerabhängig. Die „Europäisierung“ Europas hat durch Probleme der Transformation im Osten und die Kriege im ehemaligen Jugoslawien einen zusätzlichen Schub erfahren. Die „Wiedervereinigung“ des Kontinents ist durch die schrittweise IntegrationdesOstensinderletztenDekade vergleichsweise schnell und erfolgreich vorangekommen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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