Ausgabe Oktober 2002

Afrikanische Regressionen

Wie man sich irren kann: Die Machtübernahme Mugabes, ohne sowjetische Patronage, diene genau besehen der Sicherung britischer Interessen, meinte der mit deren Wahrung beauftragte Chef-Unterhändler und Außenminister Lord Carrington im letzten Stadium der Dekolonisierungsverhandlungen, als Ende der 70er Jahre aus Rhodesien Simbabwe entstand. 1) Der Günstling bedankte sich seinerzeit artig bei dem keinesfalls freiwillig aus dem Amte scheidenden rhodesischen Vorgänger Ian Smith - der Mitte der 60er Jahre die einseitige Unabhängigkeit der Siedlerkolonie vom britischen Empire proklamiert hatte. Er habe ihm das Juwel Afrikas überlassen. 2) Bei den Unabhängigkeitsfeiern im April 1980 befleißigte sich Tansanias Präsident Julius Nyerere der Zustimmung und ermahnte die Genossen, pfleglich mit dem geerbten Kleinod umzugehen. 3) Solch rückblickende Zitate haben Hochsaison und bitteren Erinnerungswert, denn der einstige Brotkorb ist zum Armenhaus des Kontinents degeneriert.

Kaum jemand versucht sich noch in Gesundbeterei - wenngleich Mugabe selber auf dem Johannesburger Gipfel insistierte, seine Landreform sei die Voraussetzung dauerhafter Entwicklung, und Großbritannien trage die alleinige Schuld an der Misere seines Landes.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Afrika