Ausgabe Oktober 2002

Globalisierung der Menschenrechte

Soziales gründet auf Sozialem. Diese Formel mag nicht unbedingt und sofort auf vorbehaltlose Zustimmung stoßen. Wenn man sich aber einmal auf die postmodernen Demystifizierungen einlässt, dann sieht man, dass die Aufdeckung und Entlarvung gesellschaftlicher Gründungsmythen eine durchaus Gewinn bringende Tätigkeit sein kann. Eine dieser Entlarvungen ist die von Derrida, Luhmann und anderen immer wieder ausgeführte Tatsache, dass eine jede gesellschaftliche Ordnung und ein jedes gesellschaftliches Funktionssystem auf fundamentalen Paradoxien beruht. 1) Welche Techniken zur Verschleierung dieser Paradoxien eine Gesellschaft zu welcher Zeit nutzt, ist nicht willkürlich, sondern abhängig von den Differenzierungsformen der Gesellschaft.

In Zeiten von Katastrophen, gesellschaftlichen Umbrüchen, kommen diese Paradoxien zum Vorschein und suchen sich eine neue Form. 2) Die aktuelle gesellschaftliche Katastrophe, die "normal science" verunmöglicht, heißt "Globalisierung". Nicht ein örtlicher Bezugsrahmen bildet mehr den adäquaten Erklärungszusammenhang gesellschaftlicher Strukturen, sondern die Differenzierungen können nur noch im globalen Zusammenhang erörtert werden. 3) Dies wirkt sich natürlich gesellschaftsweit und funktionssystemübergreifend aus.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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