Ausgabe Oktober 2002

Globalisierung der Menschenrechte

Soziales gründet auf Sozialem. Diese Formel mag nicht unbedingt und sofort auf vorbehaltlose Zustimmung stoßen. Wenn man sich aber einmal auf die postmodernen Demystifizierungen einlässt, dann sieht man, dass die Aufdeckung und Entlarvung gesellschaftlicher Gründungsmythen eine durchaus Gewinn bringende Tätigkeit sein kann. Eine dieser Entlarvungen ist die von Derrida, Luhmann und anderen immer wieder ausgeführte Tatsache, dass eine jede gesellschaftliche Ordnung und ein jedes gesellschaftliches Funktionssystem auf fundamentalen Paradoxien beruht. 1) Welche Techniken zur Verschleierung dieser Paradoxien eine Gesellschaft zu welcher Zeit nutzt, ist nicht willkürlich, sondern abhängig von den Differenzierungsformen der Gesellschaft.

In Zeiten von Katastrophen, gesellschaftlichen Umbrüchen, kommen diese Paradoxien zum Vorschein und suchen sich eine neue Form. 2) Die aktuelle gesellschaftliche Katastrophe, die "normal science" verunmöglicht, heißt "Globalisierung". Nicht ein örtlicher Bezugsrahmen bildet mehr den adäquaten Erklärungszusammenhang gesellschaftlicher Strukturen, sondern die Differenzierungen können nur noch im globalen Zusammenhang erörtert werden. 3) Dies wirkt sich natürlich gesellschaftsweit und funktionssystemübergreifend aus.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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