Ausgabe Oktober 2002

Kooperation hinter den Kulissen

Die Doppelbödigkeit der

Die saudische Außenpolitik bevorzugt es traditionell, hinter den Kulissen im diplomatischen Halbdunkel zu operieren. Umso mehr muss das grelle Licht geschmerzt haben, das am 6. August auf das Königreich fiel: Als der "Kern des Bösen, der Hauptakteur, der gefährlichste Gegner", 1) als Terror-Supermacht schlechthin wurde das Königreich bezeichnet - in einem Strategie-Papier, das ausgerechnet aus dem Pentagon an die "Washington Post" gelangt war. 2) Das Dokument empfahl, dem Königreich die Pistole auf die Brust zu setzen: entweder Saudi-Arabien unterlässt die Unterstützung islamischer Terroristen oder die USA marschieren ein und besetzen die saudischen Ölfelder. Zwar war der Autor, Laurent Murawiec, nur ein externer Berater für das "Defense Policy Board", seinerseits ein rein beratendes Gremium, und diverse US-Regierungsvertreter distanzierten sich auf der Stelle vom Inhalt des Dokuments. Doch viele Beobachter sahen in dem peinlichen Leck nur das letzte von vielen Indizien dafür, dass zwischen USA und dem Königreich ein außenpolitischer Paradigmenwechsel ansteht. 15 der 19 Entführer vom 11. September 2001 kamen aus Saudi-Arabien. Trotz eindeutiger Beweise zweifelte Innenminister Prinz Naif die saudische Beteiligung lange Zeit an. Im AfghanistanKrieg weigerte sich Saudi-Arabien dann, seine Basen für US-Flugzeuge frei zu geben.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die neue Merz-Doktrin?

von Jürgen Trittin

Jahrzehntelang durfte in keiner Grundsatzrede eines deutschen Politikers in Regierungsverantwortung der Satz fehlen: „Wir setzen auf die Stärke des Rechts statt auf das Recht des Stärkeren.“ Doch das war einmal. Bundeskanzler Merz‘ lautstarkes Räsonieren über den Krieg Israels gegen den Iran markiert den Bruch mit dieser Tradition.

Eigennutz statt Solidarität

von Klaus Seitz

Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.

Besser als ihr Ruf: Die europäische Afrikapolitik

von Roger Peltzer

Schon unter Angela Merkel hat der afrikanische Kontinent in der deutschen Bundesregierung große politische Aufmerksamkeit erfahren. Die Ampelregierung setzt diesen Kurs fort: Seit seinem Amtsantritt reiste Bundeskanzler Olaf Scholz jedes Jahr nach Afrika.