Ausgabe September 2002

Die Rückkehr des Sicherheitsstaats

Nach den Ereignissen des 11. September 2001 erwarteten politische Beobachter unterschiedliche Auswirkungen. Während die einen annahmen, nun breche eine neue Phase der internationalen Politik an, weil die einzige Weltmacht wieder einen Feind habe, prognostizierten andere, dass sich nichts grundsätzlich ändern werde. Der internationale Terrorismus stelle zwar eine Gefahr dar, aber keine, die eine Neuordnung des internationalen Systems bewirken könne. Paradoxerweise behielten beide Recht: letztere, weil sie korrekt prognostizierten, dass der Terrorismus nicht zu einer Neuordnung der internationalen Beziehungen führt; erstere, weil tatsächlich eine neue Periode der internationalen Politik angebrochen ist.

Die richtige Prognose beruhte - wie so häufig - auf falschen Argumenten. Denn was sich wirklich geändert hat, ist die amerikanische Außenpolitik, und was sich wahrscheinlich noch ändern wird, ist die Arithmetik des politischen Systems der USA. Die amerikanische Regierung achtet seither weniger auf andere Interessen, wenn es um Fragen der Sicherheit geht. Und dies könnte sich mit der Einrichtung des Department of Homeland Security noch verstärken. Diese selbstbezogenen, unilateralen Elemente der amerikanischen Politik sind nicht neu, aber angesichts der stärkeren Interdependenz der USA mit anderen Gesellschaften wirken sie heftiger als früher.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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