Ausgabe September 2002

Einen Koloss kann man nicht einbinden.

Über deutsche Identität und den europäischen Weg

Am 11. September 2001 versicherte Bundeskanzler Schröder die Vereinigten Staaten der, seither wieder und wieder zitierten, "uneingeschränkten Solidarität" der Deutschen. Ein Jahr später knistert es vernehmlich im deutsch-amerikanischen Gebälk. Es herrscht Wahlkampf, und der Bundeskanzler eröffnet die "heiße Phase" mit einer demonstrativen Abgrenzung von der Irak-Politik des großen Partners. Gegen "Spiele mit Krieg und militärischen Interventionen" empfiehlt er "unseren deutschen Weg". - Was mag er meinen? Deutschlands "langen Weg nach Westen" (Winkler)? Gewiss nicht den "deutschen Sonderweg". Den "dritten Weg" einer Berliner Republik vielleicht? - David Binder kennt die Deutschen aus langen Korrespondentenjahren für die "New York Times" in Bonn und Berlin. Anlässlich eines Festakts zum 50jährigen Bestehen des nach Senator Fulbright benannten deutsch-amerikanischen Studentenaustauschprogramms besuchte unser Autor am 18. Juli auch die "Blätter"-Redaktion. Wir nutzten die Gelegenheit, uns mit dem amerikanischen Deutschlandkenner zu unterhalten. - D. Red.

"Blätter": Herr Binder, Sie haben die Deutschen studiert, schon seit den 40er, 50er Jahren. Sie konnten sich seit den prägenden Jahren der Bonner Republik ein Bild von Land und Leuten machen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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