Ausgabe September 2002

Einen Koloss kann man nicht einbinden.

Über deutsche Identität und den europäischen Weg

Am 11. September 2001 versicherte Bundeskanzler Schröder die Vereinigten Staaten der, seither wieder und wieder zitierten, "uneingeschränkten Solidarität" der Deutschen. Ein Jahr später knistert es vernehmlich im deutsch-amerikanischen Gebälk. Es herrscht Wahlkampf, und der Bundeskanzler eröffnet die "heiße Phase" mit einer demonstrativen Abgrenzung von der Irak-Politik des großen Partners. Gegen "Spiele mit Krieg und militärischen Interventionen" empfiehlt er "unseren deutschen Weg". - Was mag er meinen? Deutschlands "langen Weg nach Westen" (Winkler)? Gewiss nicht den "deutschen Sonderweg". Den "dritten Weg" einer Berliner Republik vielleicht? - David Binder kennt die Deutschen aus langen Korrespondentenjahren für die "New York Times" in Bonn und Berlin. Anlässlich eines Festakts zum 50jährigen Bestehen des nach Senator Fulbright benannten deutsch-amerikanischen Studentenaustauschprogramms besuchte unser Autor am 18. Juli auch die "Blätter"-Redaktion. Wir nutzten die Gelegenheit, uns mit dem amerikanischen Deutschlandkenner zu unterhalten. - D. Red.

"Blätter": Herr Binder, Sie haben die Deutschen studiert, schon seit den 40er, 50er Jahren. Sie konnten sich seit den prägenden Jahren der Bonner Republik ein Bild von Land und Leuten machen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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