Ausgabe April 2003

Das NATO-Trauerspiel

Das Trauerspiel vom Selbstmord der atlantischen Allianz wird jetzt auf offener Weltbühne aufgeführt.

Wie so oft in klassischen Dramen ist Hybris der tragische Fehler – die Arroganz der Macht, gepaart mit der Arroganz der Schwäche, und die herzhafte Abneigung, die die Protagonisten Georg W. Bush und Gerhard Schröder nun gegeneinander hegen.

Die einzigen Gewinner sind jene Terroristen, die dem Westen übel wollen. All die gut eingespielten Differenzen – und es handelt sich um echte Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem europäischen Kontinent insgesamt, nicht bloß um Divergenzen zwischen den USA und dem „alten Europa“ – haben den Zusammenstoß angeheizt. Doch mittlerweile erweist das psychologische Moment sich als die treibende Kraft.

Es hätte nicht so enden müssen. Angesichts der heutigen Bitterkeit lohnt es sich, daran zu erinnern, dass Europa mit einer Woge des Entsetzens reagierte und sich total mit den Vereinigten Staaten identifizierte, als jene entführten Flugzeuge am 11. September 2001 in das World Trade Center krachten. Das überwältigende Gefühl war, von „Le Monde“ auf den Punkt gebracht, „Nous sommes tous Américains.

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