Ausgabe August 2003

In Wirklichkeit war 'Multipolarität' nie eine einigende Idee

Rede der Nationalen Sicherheitsberaterin der USA, Condoleezza Rice, in London am 26. Juni 2003 (Wortlaut)

Vor dem Internationalen Institut für strategische Studien (IISS) unternahm Condoleezza Rice den Versuch, die Abkehr der Vereinigten Staaten von der Idee eines "wirksamen Multilateralismus" theoretisch zu begründen: Diese "Theorie der Rivalität, der konkurrierenden Interessen" halte davon ab, "die vor uns liegenden großen Aufgaben zu erfüllen". Sie forderte Europa auf, "gemeinsame Sache gegen die Feinde der Freiheit" unter Führung der USA zu machen und die "Macht im Dienst der Freiheit" zu begrüßen. (Vgl. die Kolumne von William Pfaff im vorliegenden Heft sowie zur Diskussion um Multi- und Unilateralismus den Beitrag von Jochen Hippler in der Juliausgabe.) – D. Red.

Dies ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, vor einer solch herausragenden Gruppe von Denkern zu sprechen – und es auf dem Boden eines der ältesten und treuesten Bündnispartner der Vereinigten Staaten tun zu können, ist eine besondere Ehre.

Ich fühle mich dem International Institute for Strategic Studies persönlich verbunden, weil ich – ebenso wie das Institut – meine Laufbahn mit dem Studium strategischer Waffen und geheimnisvoller Terminologie wie "Wurfgewicht" und "Mehrfachgefechtsköpfen" begonnen habe. Und wie Sie habe ich mich danach anderen Bereichen strategischer Studien zugewandt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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