Ausgabe Februar 2003

Instrumenteller Multilateralismus und servile Rezeption: der Irak, die USA und Europa

Peter Bender betitelte Anfang der 80er Jahre ein Buch „Das Ende des ideologischen Zeitalters“.1 Es handelt von der Pragmatisierung der Außenpolitik der Großmächte und des Verhältnisses zwischen den Blöcken in den beiden voraufgegangenen Jahrzehnten. Diese Zeit der „normalen Politik“ (Dahrendorf) ist vorbei. Das definitive Ende der Bipolarität und der Aufstieg der USA zur „Hypermacht“ mit globaler power projection hat nicht nur der ökonomischen Globalisierung einen neuen Schub versetzt, sondern eine neue Phase der „außergewöhnlichen Politik“ (ders.) eingeleitet, in der die Verfasstheit und die Spielregeln einer neuen Ordnung erst noch festgeschrieben werden. Ein Merkmal dieser Transformation ist eine partielle Reideologisierung der Konzepte, der Akteure und ihrer Handlungen. Zeiten des Untergangs einer alten und des Ringens um eine neue Ordnung – zusammen mit dem Verlust alter Sicherheiten und dem Auftauchen realer und scheinbarer Möglichkeiten – sind wie schon nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg die Stunde ebenso der „Kassandristen“ wie der „Architekten der Zukunft“. Neu ist auch nicht die konzeptionelle Anspruchslosigkeit einiger erstaunlich einflussreicher Interpretationen und Zukunftspläne.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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