Ausgabe Februar 2003

Legaler Betrug

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind, so erzählen es uns die vereinigten Märchenerzähler seit langem, nicht nur der mächtigste, sondern auch der beste Staat der Welt. Die amerikanische Wirtschaft hatte im letzten Jahrzehnt – wieder einmal – geboomt, Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen, die effektivsten Management-Methoden hervorgebracht und Reichtum unters Volk verteilt – besser als alle anderen.

Zwischenzeitlich hörten wir von den vereinigten Märchenerzählern etwas anderes. Zuvor ereigneten sich die größten Konkurse der bisherigen amerikanischen Geschichte. Enron, Andersen, WorldCom – diese und weitere Bankrotteursnamen gingen um die Welt. „Die Zeit“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ sprachen von „Weltkonkurs“ und fragten: „Ist der amerikanische Kapitalismus am Ende?“

Der US-amerikanische Präsident wetterte schließlich an der Wall Street gegen Korruption und Betrug in den Vorstandsetagen von Corporate America. Betrügerische Topmanager würde er, so verkündete er in Anspielung auf andere Feinde der großen Freiheit, jagen, ins Gefängnis stecken und bestrafen.

Das war aber nur ein anderes Märchen aus der Requisitenkammer von Hollywood und Wall Street.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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