Ausgabe Januar 2003

Brasilien auf Linkskurs?

Mit dem früheren Schuhputzer und Gewerkschaftsführer Luiz Inacio Lula da Silva wird erstmals ein Sozialist das Amt als Staatschef Brasiliens antreten. Mit seiner Wahl verknüpfen sich Hoffnungen weit über das Land hinaus: Ist die Regierung in ihrem Vorhaben erfolgreich, wird Brasilien zumWegweiser für Schwellenländer, die sich in einer ähnlich krisenhaften Lage befinden. Darüber hinaus stellt die neue Regierung eine Zäsur der lateinamerikanischen Politiklandschaft dar. In Brasilien hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine politische Konstellation herausgebildet, die die Umsetzung innovativer politischer Ansätze begünstigt.

Nach ihrer Gründung 1980 profilierte sich Lulas Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores – PT) im Eintreten gegen die Militärdiktatur und für Demokratie; später prangerte sie immer wieder die dramatischen sozialen Folgen der „konservativen” Modernisierung an. Dieses Profil als radikale Opposition in der brasilianischen Parteilandschaft verdankt die PT ihrer sozialen Basis, zu der nicht nur die seit der Parteigründung miteinbezogenen Gewerkschaftler und die Basisgemeinden der katholischen Kirche zählen, sondern auch Studenten, Linksintellektuelle und neue soziale Bewegungen, die sich im Rahmen der Demokratisierung herausbildeten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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