Ausgabe Januar 2003

Chinas Führungswechsel

Führungswechsel und Wirtschaftsreformen beherrschten die westliche Berichterstattung über den 16. Kongress der Chinesischen Kommunistischen Partei. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch selbst Chinesen würden zugeben, dass es sich bei diesen Dingen um Äußerlichkeiten handelt.

Von keinem der Funktionäre aus der zweiten Riege, die jetzt in die oberste Führung berufen wurden, darf man fundamentale Veränderungen des zwischen Parteidiktatur und Parteichaos schwankenden Systems erwarten. Und Jiang Zemin bleibt als Graue Eminenz die oberste Autorität in der Partei: Die Herrschaft eines „Kaisers“ endet nun einmal nur durch Tod oder Umsturz.

Grundlegende Veränderungen werden eines Tages kommen, aber kaum als geplanter Wandel. Eine Parteidiktatur, die sich selbst zu reformieren versucht, kommt einer Revolution nahe. Dabei zeigt die neue chinesische Parteiführung keinerlei Anhaltspunkte für das Bewusstsein einer moralischen Krise, welches vor knapp zwei Jahrzehnten die sowjetischen Reformer um Gorbatschow kennzeichnete.

Für die Führung eines Systems, das Verantwortung für gewaltige Verbrechen trägt, haben Gorbatschow und seine Kollegen jedoch etwas ganz Seltenes – historisch Präzedenzloses – getan: Sie versuchten, die Wahrheit über das, was die kommunistische Partei Russland angetan hatte, ans Licht zu bringen.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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