Ausgabe Juni 2003

Geteilte Illusionen

Erfolg heiligt die Mittel?

Die Einschätzungen zur künftigen Entwicklung des Mittleren Ostens gehen weit auseinander – unstrittig scheint hingegen, dass der Krieg weltpolitisch gewaltige "Kollateralschäden" hinterlässt. Er hat politische Gewissheiten und vertraute Konstellationen erschüttert. Wie lässt sich der Schaden eingrenzen oder beheben, ohne neue Schäden anzurichten? Die Bush-Administration hat sich über UNO und Völkerrecht hinweggesetzt – und gewonnen. Heißt das: Die UNO ist obsolet? Muss und kann der erfolgreiche Ausreißer USA wieder eingefangen werden? Muss der Rest der Welt, spätestens jetzt, sich dem Bush-Kurs unterordnen? Oder als Koalition der Unwilligen widerstehen? Die transatlantischen Beziehungen stehen unter enormem Druck. Ist der Westen tot? Lässt die Atlantische Gemeinschaft sich – als Partnerschaft Gleichberechtigter – reparieren? Was wird aus der Westeinbindung der Bundesrepublik? Und schließlich: Kann die EU angesichts der Spaltung Europas in alt und neu einfach dort anknüpfen, wo sie "vor Rumsfeld" stand, und weitermachen wie bisher? Kann so ein weltpolitischer Akteur entstehen?

Die "Blätter" baten eine Reihe von Sachkennern, zur Schadensaufnahme und -überwindung beizutragen. Nachstehend folgt eine von zwölf Stellungnahmen. – D. Red.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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