Ausgabe März 2003

Auf der Bühne des theatralischen Militarismus

Amerika und die wahren Mächte der Welt

In diesen Tagen und Wochen erscheinen die Vereinigten Staaten mächtiger, einflussreicher, durchsetzungsfähiger denn je. Als Präsident der „einzig verbliebenen Supermacht“ kann George W. Bush Ergebenheitsadressen von Staatsmännern wie Aznar, Blair oder Berlusconi entgegennehmen. Wen der Bannstrahl des US-Präsidenten trifft, wie den deutschen Bundeskanzler, von dem rücken nicht wenige ab wie von einem Aussätzigen. Hubert Védrine, Lionel Jospins Außenminister, steigerte die Supermacht zur „Hyperpuissance“. Sein Landsmann Emmanuel Todd, renommierter Demograph und Historiker, sieht das ganz anders. Unter dem Titel „Après L’Empire“ veröffentlichte er im vergangenen Herbst einen „Essai sur la décomposition du système américain“, der seither auf Frankreichs Bestsellerlisten steht. Todd versucht nachzuweisen, dass die USA auf Grund abnehmender, nicht etwa wachsender Stärke handeln, wenn sie „Schurkenstaaten“ brandmarken und bekriegen. Seine Kernthese: „Der demonstrative Militarismus Amerikas, der dazu dienen soll, die militärische Unterlegenheit aller anderen Akteure weltweit vorzuführen, hat schließlich die wahren Mächte der Erde beunruhigt und sie zur Annäherung veranlasst: Europa, Japan und Russland.“ In diesen Tagen erscheint Todds Studie auf Deutsch: „Weltmacht USA.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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