Ausgabe Mai 2003

Jenseits verfestigter Ressentiments und Hassgefühle

Laudatio auf Amira Hass

Die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und ihr Förderverein (die Gesellschaft für politisch-wissenschaftliche Publizistik und demokratische Intiativen e.V., Bonn) vergeben in diesem Jahr den Demokratiepreis an die israelische Journalistin Amira Hass. Amira Hass kann heute nicht bei uns sein. Im Schatten des Irakkrieges sieht sie als ihre journalistische Pflicht, zuhause, in den Palästinensergebieten, präsent zu bleiben. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin haben wir aber am Termin der Preisverleihung festgehalten. Ihre Freundin Alexandra Senfft wird Frau Hass vertreten und die Auszeichnung für sie entgegennehmen.

Lassen Sie mich bitte zunächst, bevor ich einiges zu den Gründen der Preisverleihung sage, die Preisträgerin bei denjenigen unter ihnen kurz vorstellen, die sie und ihr Werk noch nicht kennen.

Amira Hass ist Israelin. Ihre Eltern stammen aus Südosteuropa. Sie waren Opfer der Judenverfolgung durch Hitlerdeutschland. Der Vater war Rumäne und wurde deportiert, die Mutter stammte aus Bosnien und war Überlebende des Konzentrationslager Bergen-Belsen. Beide verließen nach dem Ende des Krieges Europa und wurden Bürger Israels.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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