Ausgabe Oktober 2003

Die fremdbestimmte Linke

Im Vorfeld des Wahlkampfes 19721 schickte sich das konservative Lager an, Sozialdemokraten und Kommunisten in einen Topf zu werfen und "Freiheit" gegen "Sozialismus" zu stellen. Die SPD hätte sich ängstlich ducken können, wie das später und bis heute häufig geschah. Willy Brandt, damals Bundeskanzler und SPD-Vorsitzender, folgte jedoch dem Rat, mit dem Diffamierungsversuch offensiv umzugehen und dazu den Begriff "Demokratischer Sozialismus" selbst zu definieren und begreifbar zu machen. Drei Monate vor der Wahl hielt Brandt anlässlich des 20. Todestages Kurt Schuhmachers eine Rede "Zum Auftrag des demokratischen Sozialismus"; gleichzeitig schaltete die SPD in Illustrierten eine Serie von großformatigen Anzeigen unter dem Titel "Erfolg von 109 Jahren Demokratischem Sozialismus".

Willy Brandt hatte 1972 keine besondere emotionale Bindung an den Begriff "Demokratischer Sozialismus". Aber er wusste, dass der Begriff, auch wenn er schon damals kaum benutzt wurde, für andere viel bedeutet, und achtete diese Bindung. Auch war ihm selbstverständlich klar, dass man sich vom politischen Gegner und von Agitatoren der konservativen Rechten nicht vorschreiben lassen darf, was man denkt und wie man die eigene Geschichte interpretiert.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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