Ausgabe Oktober 2003

Interventionsimperialismus

Von der Monroe- zur Bush-Doktrin

Auf der Suche nach Erklärung der gegenwärtigen US-amerikanischen Strategie stieß ich auf einen alten Text, der mir schon vor dreißig Jahren das Verständnis des Vietnam-Krieges erleichtert hatte. Er ist von Noam Chomsky und stammt aus dem Jahr 1972. Dort ist folgende Passage angestrichen:

"Der amerikanische Kreuzzug gegen den Kommunismus [...] schafft das psychologische Klima, in dem öffentliche Subventionen für die fortgeschrittenen Sektoren der amerikanischen Industrie zur Aufrechterhaltung einer riesigen Kriegsmaschine erreicht werden können. Nur eine Bevölkerung, die um ihr Überleben fürchtet, kann veranlasst werden, solchen Subventionen ihre Zustimmung zu geben, die zu einem zentralen Faktor der Nachkriegswirtschaft der Vereinigten Staaten geworden sind [...] Militärische Macht ist notwendig zur Kontrolle des Imperiums. Das Imperium wiederum wird als Notwendigkeit zur Garantie der militärischen Macht angesehen. Militarisierung der Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der ‚wirtschaftlichen Gesundheit‘. Die Kriegsdrohung und die ständige ‚Gefahr‘ innerer Aufstände in vielen Teilen der Welt tragen dazu bei, das geeignete psychologische Klima von Psychose und Konformismus aufrechtzuerhalten.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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