Ausgabe Oktober 2003

Kolumbien: Regierung und Paramilitärs in Symbiose

Bürgerkriegsökonomien

Im öffentlichen Diskurs wird Kolumbien vor allem mit Drogenhandel assoziiert. Der über Jahre angehäufte Reichtum der Rauschgiftkartelle beläuft sich mittlerweile zwar auf rund 40% des Gesamtbesitzes im Land, das Drogengeschäft macht jedoch "lediglich" 6% des BIP aus; das ist wesentlich weniger als in Bolivien und Peru. Anbau und Handel mit Koka/Kokain und in geringerem Maße auch mit Opium/Heroin haben keines der Bürgerkriegs- Probleme geschaffen, sondern bestehende nur verschärft. Wo also liegen die eigentlichen Ursachen für die brutalen Menschenrechtsverletzungen im jahrzehntealten Bürgerkrieg, in dem seit 1964 über 200000 Menschen ums Leben kamen?

Kolumbien ist ein Investitionsparadies, in das allein 400 der 500 größten US-Firmen Gelder einbringen. Bis 1998 besaß es die höchsten Wachstumsraten des Kontinents. Auch die folgende kurzzeitige Rezession konnte den Boom nicht ernsthaft gefährden. Nach drastischer Peso-Abwertung, Wechselkursfreigabe und einem harten Sparprogramm sowie dem Abbau der Arbeiterrechte stiegen die Exporte im Jahr 2000 wieder um 13%. Der 2002 gewählte Präsident Álvaro Uribe Veléz verstärkte den neoliberalen Kurs und so konnte die "New York Times" Anfang 2003 Kolumbien wieder einen der weltweit interessantesten "aufsteigenden Märkte" nennen.

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