Ausgabe September 2003

Lichter der Grenzstadt

Ein Film über scheiternde Existenzen: Schütteres blondes Haar und Brille – das ist Ingo. Ingo hat sich selbständig gemacht. Die Eröffnung seines Matratzen- Discountladens war der örtlichen Presse einen Artikel mit Foto wert. Aber er kommt nicht weit mit seiner Ich-AG in Frankfurt an der Oder. Trotz skurriler Werbeideen geht er Pleite. Ein jugendliches Pärchen versucht sich hingegen mit Zigarettenschmuggel über Wasser zu halten. Das Mädchen lernt einen scheinbar reichen Mann kennen, verlässt ihn schließlich doch – der Mann verpfeift die Kriminelle bei der Polizei. Ein junger Architekt scheitert mit seinen hochfliegenden Plänen, weil die von ihm entworfene Glasfassade den Bauherren des Ost- West-Joint-Ventures zu teuer ist. Ukrainische Flüchtlinge werden von ihren Schleppern nicht, wie ausgemacht, am Rande von Berlin abgesetzt, sondern in Polen aus dem LKW geschmissen. Ein Taxifahrer, der verzweifelt Geld braucht, um seiner kleinen Tochter ein Kommunionskleid kaufen zu können, versucht, eine ukrainische Familie über die Grenze zu schleusen. Es klappt nicht. Sonja, die bei Abschiebeverhandlungen als Dolmetscherin arbeitet, hilft einem Flüchtling, bringt ihn schließlich in ihrem Wagen über die Grenze.

Hans-Christian Schmids Film Lichter ist ein verkappter Episodenfilm. In einander verflochten werden die Geschichten erzählt.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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