Ausgabe Februar 2004

Neue Macht der Peripherie

Ortsnamen wie Seattle, Porto Alegre, Mumbai und seit letztem September vor allem auch jener des mexikanischen Badeortes Cancún könnten für einen Einschnitt hinsichtlich weltweiter Machtverhältnisse stehen – spiegelbildlich zur symbolischen Abwertung des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Regierungen der Peripherie organisierten sich, um den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Es zeichnet sich eine neue Konfliktstruktur in der internationalen Handelspolitik ab.

Was ist in Cancún passiert? Die "Gruppe 20plus" entwickelte sich unter der Führung Brasiliens, Indiens und Chinas zu einem ernst zu nehmenden globalen Faktor. Zwar gibt es innerhalb der Gruppe erhebliche Divergenzen, der einigende gemeinsame Nenner besteht jedoch darin, die Regierungen der nördlichen Industriestaaten zur Umsetzung ihrer aktuellen Verpflichtungen zu drängen. Diese betreffen in erster Linie die Liberalisierung des Agrarsektors in der EU und die drastische Minderung von Subventionen in anderen Branchen durch die europäischen und nordamerikanischen Staaten.

Die kritisierten Regierungen des Nordens wollen jedoch weiterhin etwas ganz anderes, nämlich die in ihrem Interesse liegende Ausweitung der Verhandlungsthemen. Bereits seit der 1.

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Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

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