Ausgabe März 2004

Abrüstung nach dem Abrüstungskrieg

Kleine Erfolge und neue Risiken

Der Irakkrieg war, so das offizielle Hauptargument, ein gewaltsamer Abrüstungsakt. Die Bush-Regierung begründete die Invasion mit einer Reihe von Argumenten, die von Menschenrechtsverletzungen bis zur Neuordnung des Nahen Ostens reichten. Im Mittelpunkt stand allerdings die angebliche Notwendigkeit, den Irak daran zu hindern, seine Programme auf dem Gebiet atomarer, biologischer und chemischer Waffen sowie weit reichender Raketen weiterzuführen und womöglich Massenvernichtungswaffen an Terroristen weiterzugeben. Ein Jahr später scheint es, als sei nichts Wesentliches vorhanden gewesen, das man hätte abrüsten können. Während sich in den Vereinigten Staaten die Debatte darauf konzentriert, inwiefern sich die Geheimdienste bei der Formulierung ihrer Berichte einfach geirrt haben oder aber von politischen Vorgaben haben beeinflussen lassen, wird eine andere Frage in den Hintergrund gedrängt: Hat der Irakkrieg durch die Demonstration militärischer Macht zumindest indirekt zur Abrüstung beigetragen oder hat die Invasion diplomatische Bemühungen zur Eindämmung und Verhinderung der Proliferation langfristig eher behindert?

Abrüstungspolitisch scheint die Wirkung des Irakkrieges zumindest ambivalent. Insbesondere im Zusammenhang mit den Entwicklungen in Iran, Libyen und Nordkorea wird mitunter auf einen möglicherweise positiven Effekt des Irakkrieges hingewiesen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.